Blogeintrag
8. Mai 2024

Unsere Irrtümer bei der Generation Z

Wo man auch hinschaut, liest man heute Klagen über mangelnde Disziplin und Überempfindlichkeit der Generation Z im Arbeitsleben. Unsere Daten sagen uns etwas ganz anderes.

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Inhaltsverzeichnis

In der Medienlandschaft häufen sich die Kommentare über die Lebenseinstellung und die Zielsetzungen der Generation Z. Die einen betonen das Engagement dieser Generation für soziale Themen und Klimagerechtigkeit, andere warnen vor einer Tendenz zu Ängstlichkeit und Depressivität bei jungen Berufseinsteigern und deren Folgen. Mit Schlagworten wie „mangelnde Karriereorientierung“, „Freizeitoptimierung“ und „Generation Wankelmütig“ wird häufig ein scheinbar typisches Bild von Arbeitnehmern dieser Generation gezeichnet, die sich den traditionellen Regeln des Arbeitslebens verweigern und nicht auf das Erwachsenenleben vorbereitet sind. Einige Kommentatoren behaupten sogar, die emotionale Fragilität dieser Generation bedeute eine „Krise“ für die Arbeitskultur und den sozialen Zusammenhalt. Aber wie realistisch und ausgewogen sind solche Wahrnehmungen?  

Wir haben Daten aus der 14. jährlichen Pulse of Talent-Studie von Dayforce analysiert, um die Einstellung der Generation Z zum Arbeitsleben besser zu verstehen. Dabei haben wir vier wichtige Erkenntnisse gewonnen, die Stereotypen widerlegen und einen erheblichen Einfluss darauf haben können, wie Unternehmen diesen Arbeitnehmern zum Erfolg verhelfen.  

Erkenntnis 1: Sie ist alles andere als überempfindlich 

Geht man von der weit verbreiteten Skepsis gegenüber der emotionalen Stabilität der Generation Z aus, könnte man meinen, sie würde alles tun, um Stress zu vermeiden. Unsere Studie ergab jedoch, dass Arbeitnehmer der Generation Z bei mehreren Fragen Veränderungen am Arbeitsplatz akzeptieren, die ihre Belastung erhöhen. Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, haben wir uns eingehend mit diesen Ergebnissen befasst.  

Stärkere Überwachung von Arbeitnehmern 

Wenig überraschend würde die Mehrheit (61%) der Befragten aus Generation Z eine stärkere Überwachung von Arbeitnehmern als Belastung empfinden. Wer möchte schon ständig unter Beobachtung stehen? Überraschend ist jedoch, dass gerade diese Befragten eher für als gegen eine Verschärfung der Überwachung sind. Noch einmal zum Mitschreiben: Die Befragten der Generation Z sprachen sich mehrheitlich für eine stärkere Überwachung der Arbeitnehmer aus.  

Unsere Studie ergab, dass Arbeitnehmer der Generation Z bei mehreren Fragen Veränderungen am Arbeitsplatz akzeptieren, die ihre Belastung erhöhen.

Woran liegt das? Die Antwort könnte in der Einstellung der Generation Z zur Produktivität liegen. Auf die Frage, ob eine stärkere Überwachung der Mitarbeiter sie produktiver machen würde, antworteten die Befragten der Generation Z deutlich häufiger mit Ja als mit Nein (41 % gegenüber 26 %).
Dieses Ergebnis zeigt, dass viele Befragte der Generation Z bereit sind, Veränderungen am Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen, auch wenn die eigene Belastung dadurch steigt. Dies gilt vor allem dann, wenn diese Veränderungen auch ihre Produktivität steigern. Für Arbeitgeber ist diese Erkenntnis wichtig, denn sie zeigt, dass die Mitglieder der Generation Z bereit sind, ein höheres Maß an Stress in Kauf zu nehmen, wenn sie das Gefühl haben, dadurch etwas Positives für ihr Unternehmen bewirken zu können. Arbeitgeber müssen dieses Wissen jedoch auch verantwortungsvoll nutzen, um ein Burn-out ihrer jüngsten Altersgruppe zu vermeiden.  

Verstärkter Einsatz von Zeitarbeitskräften 

Ebenso wie die verstärkte Überwachung der Mitarbeiter führt auch der zunehmende Einsatz von Zeitarbeitskräften bei Arbeitnehmern der Generation Z zu einem höheren Stresspegel. Trotz der höheren Belastung war die Zahl der Befürworter dieses Änderungsvorschlags in der Generation Z fast doppelt so hoch wie die Zahl der Ablehner. Um die Gründe dafür zu verstehen, haben wir uns eingehender mit der Einstellung der Generation Z gegenüber Zeitarbeit im Allgemeinen befasst. 

Zum einen gaben die Befragten in unserer Studie häufiger als jede andere Gruppe an, selbst an einer Tätigkeit als Zeitarbeitnehmer interessiert zu sein (etwa die Hälfte). Die Hauptgründe für diesen Wunsch waren „Mehr Flexibilität/Work-Life-Balance“ (52 %) und „Die Möglichkeit, an etwas zu arbeiten, das mich begeistert“ (52 %). Diese positive Einstellung zur Zeitarbeit kann die grundsätzliche Zustimmung zu einem verstärkten Einsatz von Zeitarbeit in den Wunschbetrieben erklären.  

Doch warum geben dann so viele Teilnehmer an, dass diese Änderung ihren Stresspegel erhöht? 

Die Gründe für die höhere Belastung können vielfältig sein und reichen von Sorgen um die Sicherheit des Arbeitsplatzes der Festangestellten bis hin zu Problemen bei der Integration der Zeitarbeitnehner in die bestehenden Teams und Arbeitsabläufe in den Unternehmen. Zu diesem zweiten Punkt hat unsere Executive Survey 2023 ergeben, dass zwar acht von zehn Unternehmen derzeit Zeitarbeitskräfte einsetzen, aber über 90 Prozent dieser Unternehmen angeben, dass sie Probleme beim Einsatz von Zeitarbeitskräften haben.

Dieses Ergebnis und die Einstellung der Befragten zu einer stärkeren Überwachung der Arbeitnehmer zeigen, dass die Arbeitnehmer der Generation Z Stress und Produktivität nicht als sich gegenseitig ausschließend betrachten und dass sie Veränderungen am Arbeitsplatz, die ihren Stress erhöhen, nicht unbedingt ablehnen. Diese Ergebnisse sind für Arbeitgeber aufschlussreich, da aus ihnen hervorgeht, dass Arbeitnehmer der Generation Z belastbar sind und bereit sind, Herausforderungen anzunehmen, an denen sie wachsen und in ihrer Arbeit effektiver werden können. 

Ehrgeizigere Leistungsziele 

Man könnte meinen, dass die Bereitschaft der Generation Z, einem höheren Stresspegel standzuhalten, irgendwann an ihre Grenzen stößt. Und diese Grenze schien erreicht zu sein, als wir die Teilnehmer fragten, ob ihre Unternehmen ehrgeizigere Leistungsziele einführen sollten. Zu diesem Thema gab eine klare Mehrheit der Befragten der Generation Z (64 %) an, dass diese Änderung ihren Stresspegel erhöhen würde. Dennoch war die Gruppe in der Frage der Zustimmung (37%) oder Ablehnung (41%) gespalten. Und in Übereinstimmung mit dem Trend bei anderen Fragen gaben diese Befragten häufiger an, dass die Veränderung ihre Produktivität eher erhöhe als verringere.

Erkenntnis 2: Sie legt Wert auf den persönlichen Kontakt bei der Arbeit 

Zu den gängigen Vorstellungen über die Generation Z gehört die Erwartung, dass sie persönliche Kontakte scheue und stattdessen Textnachrichten und Online-Kommunikation bevorzuge. Unsere Studie hat hier aber noch überraschendere Ergebnisse zu Tage gefördert: Erstens bevorzugt die Generation Z Hybrid- oder Büroarbeit gegenüber reiner Fernarbeit. Die Zahl der Befürworter von Hybrid- oder Büroarbeitsplätzen lag in der Gen Z sogar doppelt so hoch (55 %) wie die Zahl der Ablehner (26 %). Diese Ergebnisse stimmen mit anderen Untersuchungen überein, bei denen für diese Präferenz vor allem folgende Gründe ermittelt wurden:
 

  • bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten 
  • bessere soziale Vernetzung
  • Möglichkeit zur Inanspruchnahme von Mentoring
  • bessere Abgrenzung von Arbeits- und Privatleben 

Wie bei unseren anderen Ergebnissen sollten Arbeitgeber diese Erkenntnisse nutzen, um ihre Mitarbeiter der Generation Z besser zu verstehen und ihnen individuellere Arbeitsmöglichkeiten zu bieten, die sie zum Erfolg führen.  

Erkenntnis 3: Sie legt Wert auf Flexibilität (wenn auch weniger stark als die Millennials) 

Diskussionen innerhalb der Generation Z (und viele Videos auf Tik Tok) unterstreichen den Wunsch dieser Arbeitnehmergruppe nach flexiblen Arbeitsregelungen und Arbeitszeiten. Unsere Studie bestätigt zwar, dass die Generation Z mehr Wert auf Flexibilität legt als die über 45-Jährigen, aber auch, dass sie ihr nicht die gleiche Bedeutung beimisst wie die Millennials.  

Auf die Frage nach den wichtigsten Prioritäten nannten die Befragten der Generation Z „flexible Arbeitszeiten“ seltener als eine der drei wichtigsten Prioritäten als ihre Millennial-Kollegen (58 % gegenüber 66 %). Dieses Ergebnis lässt sich möglicherweise damit erklären, dass sich die Millennials mehr Flexibilität für familiäre oder persönliche Verpflichtungen wünschen. Unterstützt wird diese Einschätzung durch die Tatsache, dass die Befragten der Generation Z „Flexibilität bei persönlichen Verpflichtungen oder bei Krankheit“ weniger wichtig fanden (46 % im Vergleich zu 51 % bei den Millennials). 

Wie unsere anderen Ergebnisse zeigen auch diese Erkenntnisse, dass die Arbeitnehmer der Generation Z ihren eigenen Weg gehen. Arbeitgeber können diese Erkenntnisse nutzen, um neue Ansätze für die Führung und Motivation dieser Belegschaft zu entwickeln.  

Erkenntnis 4: Sie befürchtet, dass Menschen durch KI fauler werden könnten. 

Die Generation Z ist die erste Generation, die eine Welt ohne Internet, intelligente Geräte oder soziale Medien nicht mehr aus eigener Erfahrung kennt. Die hohe Prävalenz von Angstzuständen und Depressionen in dieser Gruppe könnte von Beobachtern daher allgemein mit Technik in Verbindung gebracht werden. Doch wie die Ergebnisse dieser Studie zeigen, hängt diese Prävalenz entscheidend mit der Art der Technologie zusammen, die die betreffende Person nutzt.  

Technik kann beim Stressabbau helfen 

Im Rahmen unserer „Pulse of Talent“-Studie haben wir alle Teilnehmer gefragt, wie sich die Einführung neuer Technologien in ihrem Unternehmen auf ihren Stresspegel ausgewirkt haben. In diesem Fall war die Generation Z am häufigsten der Ansicht, dass dies ihren Stresspegel verringert habe (49 % gegenüber 42 % in der nächsthöheren Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen). Dabei ist zu beachten, dass sich die Frage allgemein auf neue Technologien bezog und entsprechende Verbesserungen in der Benutzerfreundlichkeit und Produktivität wahrscheinlich ein wesentlicher Faktor für die erwähnte Stressreduktion bei der Generation Z waren. Arbeitgeber sollten dieses Ergebnis berücksichtigen, wenn sie über neue Investitionen nachdenken, die sowohl die Produktivität steigern als auch Stress bei ihren jungen Arbeitnehmern bekämpfen.  

Skepsis gegenüber KI 

Auf konkrete Fragen zur Künstlichen Intelligenz antworteten nur 19 % der Befragten der Generation Z, sie seien besorgt über die Einführung dieser Technologie in ihrem Unternehmen. Sechs von zehn Befragten in dieser Gruppe waren der Auffassung, dass KI ihre Produktivität steigern könnte, verglichen mit nur vier von zehn in der Altersgruppe über 45.  

Auf die Frage nach ihren größten Bedenken in Bezug auf KI antwortete die Generation Z jedoch häufiger als jede andere Gruppe, dass sie „die Menschen fauler macht“ (39 %). Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Generation Z die erste Altersgruppe ist, die ihre Altersgenossen KI-gestützte Berichte oder Seminararbeiten schreiben sieht. Dies gibt Anlass zu Bedenken über das Ausmaß der KI-Nutzung. Zusammen mit den bereits erwähnten Ergebnissen zu Stress und Produktivität zeigt dieses Ergebnis, dass die Arbeitnehmer der Generation Z deutlich differenziertere Ansichten zu Stress, Produktivität, Technologie und Arbeitsethik haben, als es die Mainstream-Diskussion vermuten lässt. 

Die wichtigsten Ergebnisse 

Die diesjährige Studie „Pulse of Talent“ liefert wichtige neue Erkenntnisse über die Arbeitnehmer der Generation Z. Sie zeigt, dass diese Gruppe robuster ist, als ihr viele zutrauen, und dass sie in vielen Fällen sogar noch mehr Wert auf Produktivität und Arbeitsmoral legt als ihre älteren Kollegen.   

Mit Blick auf die Zukunft können Arbeitgeber aus diesen Erkenntnissen folgende Schlüsse ziehen: 
 

  • Betrachten Sie neue Technologien als eine Investition in die psychische Gesundheit der Mitarbeiter – nicht nur in direkte Investitionen wie Telemedizin, sondern ganz allgemein in Produktivitätstools.  
  • Entwickeln Sie ein differenzierteres Verständnis für die Haltung der Generation Z zu Stress, Produktivität, Arbeitseinsatz und die Bereitschaft zu neuen Herausforderungen.  
  • Bieten Sie jungen Arbeitnehmern proaktive Unterstützung im Bereich psychische Gesundheit und Stressmanagement an. Jüngere Arbeitnehmer laufen Gefahr, auszubrennen, wenn sie weiterhin ein höheres Maß an Stress in Kauf nehmen, um ihre Produktivität zu steigern.  
  • Sprechen Sie mit jungen Arbeitnehmern über KI, um herauszufinden, ob sie höhere Investitionen in diesem Bereich befürworten und wenn ja, für welche konkreten Anwendungen. 

Wie unsere Studie „Pulse of Talent“ zeigt, kann die Kombination aus Selbstvertrauen und der Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen, ein starkes Band zwischen Führungskräften und Mitarbeitern der Generation Z sein. Arbeitgeber, die ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und Vorlieben dieser Generation entwickeln, sind besser darauf vorbereitet, das Wohlergehen der Mitarbeiter mit der Produktivität des Unternehmens in Einklang zu bringen und so das Arbeitsleben für alle zu verbessern.  

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Weitere Einzelheiten finden Sie in der Datenschutzerklärung von Dayforce.
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