WM 2026 am Arbeitsplatz Fußball trifft Arbeitsrecht
Die Welt schaut nach Nordamerika: 48 Mannschaften, 104 Spiele und ein Endspiel am 19. Juli. Mittendrin befinden sich Millionen an begeisterten Beschäftigten, deren Arbeitsleistung während dieses globalen Fußball-Events aus unterschiedlichen Gründen möglicherweise nicht auf dem üblichen Level ist. Hier stellt sich die Frage, wie viel Fußball am und rund um den Arbeitsplatz erlaubt ist. Dieser Beitrag gibt einen Überblick.

Inhaltsverzeichnis
Fußball in der Pause
Grundsätzlich bestimmen Beschäftigte selbst, was sie in ihrer Pause tun. Wer während dieser Zeit ein WM-Spiel auf dem Smartphone verfolgen möchte, bewegt sich im Rahmen seiner persönlichen Freizeit.
Wird die Pause überzogen, weil es gerade allzu spannend ist, so ist dies hingegen nicht gestattet. Dasselbe gilt, wenn unerlaubterweise betriebliche Geräte oder Monitore zum Genuss des Spieles genutzt werden oder Kollegen während der Arbeit gestört werden.
Aus Arbeitgebersicht sind klare Betriebsvereinbarungen oder Aushänge während der WM-Zeit empfehlenswert, welche auf die Möglichkeiten und Grenzen des Fußballgenusses während der Pausen hinweisen.
Übermüdung im Schichtbetrieb
Spätschicht, dann zum Public Viewing bis tief in die Nacht – und schließlich gerädert zur Frühschicht. In Produktionsbetrieben, Logistik und Pflege ist das kein theoretisches Szenario.
Das Arbeitszeitgesetz schreibt eine Mindestruhezeit von elf Stunden zwischen zwei Schichten vor. Die gelebte WM-Praxis schreibt allerdings regelmäßig andere Geschichten.
Aus Arbeitgebersicht sollte stets beachtet werden: Kommt es infolge von Übermüdung zu einem Arbeitsunfall, können haftungsrechtliche Fragen entstehen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die fußballbezogenen „Zusatzschichten“ betroffener Mitarbeiter im Betrieb bekannt sind und deshalb von einer Übermüdung auszugehen ist.
Vorausschauendes Handeln kann helfen, zum Beispiel das frühzeitige Anpassen von Schichtplänen als betriebliche Risikovorsorge.
Alkohol im Dienst
Nach dem Abendspiel noch schnell ein paar Bier, um den Sieg zu feiern – und ein paar Stunden später hochmotiviert und mit Restpromille im Blut zur Schicht. Ein solches Verhalten ist nicht besonders klug, aber leider immer wieder ein Problem.
Nicht nur im gewerblichen Bereich, an Maschinen, im Straßenverkehr und in sicherheitskritischen Bereichen gilt aus gutem Grund ein absolutes Alkoholverbot am Arbeitsplatz. Arbeitgeber sind verpflichtet, arbeitsunfähige Mitarbeiter vor allem an gefährlichen Arbeitsplätzen nicht einzusetzen. In diesem Zusammenhang wird gerne vergessen, dass auch restalkoholisierte Beschäftigte nicht arbeitsfähig sind.
Erscheinen Mitarbeiter morgens mit Promille im Blut zum Dienst, ist rasch Gefahr im Verzug. Arbeitgeberseitig sollte strengstens darauf geachtet werden, derartige Unsitten zu erkennen und zu unterbinden. Eine klare und transparent kommunizierte innerbetriebliche Regelung kann zum Schutz beider Seiten beitragen.
Krankfeiern
Wenn die eigene Nationalmannschaft während der Woche ein Spiel am späten Abend hat, wird arbeitnehmerseitig gerne erst das Match und am nächsten Morgen krank gefeiert; Personalabteilungen kennen das zum Teil aus dem Fehlzeiten-Reporting.
Selbstverständlich ist eine Krankmeldung zunächst zu akzeptieren. Es sei an dieser Stelle jedoch darauf hingewiesen, dass der Arbeitgeber auch ohne besonderen Verdacht bereits ab dem ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest verlangen kann, sofern dem keine vertraglichen Regelungen entgegenstehen.
Sollten krank gemeldete Beschäftigte nachweisbar beim abendlichen Public Viewing gesichtet oder gar im Fernsehen übertragen werden, riskieren sie arbeitsrechtliche Maßnahmen bis hin zu einer Kündigung.
Urlaub und freie Tage
Einige Beschäftigte werden Urlaub beantragen, zum Beispiel für einzelne Spieltage oder das Finale am 19. Juli. Das ist ihr gutes Recht.
Arbeitgeber können Urlaubsanträge ablehnen, wenn betriebliche Gründe entgegenstehen. Wird dies zu spät kommuniziert oder intransparent entschieden, kommen rasch Frustrationen bei den betroffenen Mitarbeitern auf. Es ist daher nützlich, die Dinge frühzeitig zu kommunizieren und darzustellen, was möglich ist und was nicht. Ein fairer Umgang mit Urlaubswünschen zur Fußball-Weltmeisterschaft hebt die Stimmung und verhindert auch ungesteuerte spätere Ausfälle.
Unentschuldigtes Fehlen
Wenn Beschäftigte einfach nicht zum Dienst erscheinen, begehen sie eine Pflichtverletzung. Das gilt auch während der WM! Diese Mitarbeiter riskieren eine Abmahnung und möglicherweise sogar eine Kündigung, auch wenn nicht jedes Unternehmen hier konsequent durchgreift. Eine Kultur der Wertschätzung und Offenheit wirkt derartigen Auswüchsen meist effektiver entgegen als hundert Rechtsbelehrungen.
Fairness schlägt Kontrolle
Eine Weltmeisterschaft findet alle vier Jahre statt. Der Wunsch der Beschäftigten nach Teilhabe ist menschlich und verständlich. Arbeitgeber fahren besser, wenn sie dies anerkennen und gleichzeitig klare Spielregeln setzen. Transparent kommunizieren, konsequent handeln, menschlich bleiben – so geht gute Führung.
Moderne Workforce-Management-Systeme zeigen in Echtzeit, wer erschienen ist, wer sich krank gemeldet hat, und wann Ruhezeiten unterschritten werden. Diese Systeme sind als Führungsunterstützung zu verstehen, nicht als Kontrollwerkzeug.
Die WM-Checkliste für Arbeitgeber
Vor der WM
☐ Spielplan prüfen. Welche Spiele fallen auf Arbeitszeiten, besonders im Schichtbetrieb☐ Schichtpläne vorausschauend gestalten, Ruhezeiten sichern
☐ Klare Kommunikation. Was gilt während der WM? (Handy, Bildschirmnutzung)
☐ Urlaubsantragsfristen festlegen und kommunizieren
☐ Ab-wann-Attest-Regelung intern kommunizieren
Während der WM
☐ Mitarbeiter mit auffälligen Krankmeldungen im Blick behalten☐ Schichtübergaben besonders sorgfältig dokumentieren
☐ Bei Verdacht auf Alkohol nicht einsetzen. Dokumentieren und ansprechen
☐ Transparenz bei kurzfristigen Urlaubsablehnungen schaffen
Nach einem Spieltag (besonders Abendspiele)
☐ Ruhezeiten wurden eingehalten? Schichtleitung briefen☐ Unentschuldigtes Fehlen sofort dokumentieren und ansprechen
☐ Feedback-Kultur nutzen: Wie lief es? Was kann beim nächsten Spieltag besser sein?