Das „Perkflation“-Problem: Warum mehr Benefits allein die Mitarbeiterbindung nicht verbessern
Amy Cappellanti-Wolf, Chief People Officer bei Dayforce, und Ashley Reid, Gründerin und CEO von Wellist, beleuchten, warum ein wachsendes Angebot an Benefits nicht automatisch zu besseren Ergebnissen für Mitarbeiter führt. Gemeinsam analysieren sie das zunehmende Phänomen der „Perkflation“ und zeigen auf, wie ein gezielter, stärker personalisierter Ansatz tatsächlich Wirkung entfalten kann.

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In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen ihre Anstrengungen verstärkt, um ihre Mitarbeiter noch besser zu unterstützen. Die Angebote rund um Benefits wurden ausgebaut, neue Programme eingeführt und zusätzliche Maßnahmen geschaffen, um Mitarbeiter in immer mehr wichtigen Lebens- und Arbeitssituationen zu begleiten. Häufig geschah dies mit großer Sorgfalt und besten Absichten, als Ausdruck eines echten Engagements für das Wohlbefinden der Mitarbeiter.
Und dennoch spiegeln die Ergebnisse diesen Aufwand nicht immer wider. Das Mitarbeiterengagement bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Mitarbeiterbindung stellt weiterhin eine Herausforderung dar. Und besonders bemerkenswert: Viele Mitarbeiter fühlen sich trotz der zusätzlichen Angebote nicht stärker unterstützt als zuvor.
Diese Diskrepanz ist schwer zu ignorieren. Sie weist auf ein tieferliegendes Problem hin: eine Lücke zwischen dem, was angeboten wird, und dem, wie diese Angebote tatsächlich erlebt werden. Mehr Benefits bedeuten nicht automatisch mehr Nutzen. In manchen Fällen können sie den wahrgenommenen Wert sogar verwässern.
Die Lücke zwischen Angebot und wahrgenommener Unterstützung
Die Daten bestätigen, was viele HR-Verantwortliche bereits beobachten. Laut einer Studie von Maven wurden die Benefit-Angebote in einigen Bereichen um nahezu 40 % ausgebaut – gleichzeitig sank die wahrgenommene Unterstützung durch den Arbeitgeber um 10 %.. Zugleich gaben in einer Dayforce-Pulse-of-Talent-Umfrage lediglich 42 % der Befragten an, dass ihre Benefits ihren tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen.Das verdeutlicht die anhaltende Lücke zwischen guter Absicht und tatsächlicher Wirkung.
Genau darin liegt der Kern dessen, was wir als „Perkflation“ bezeichnen. Unternehmen erweitern ihr Benefit-Angebot kontinuierlich. Doch wenn alles angeboten wird, sticht am Ende nichts mehr hervor. Mitarbeiter haben möglicherweise Zugriff auf mehr Leistungen und Ressourcen als je zuvor. Sind diese jedoch schwer zu finden, schwer verständlich oder kompliziert nutzbar, geht ihr eigentlicher Wert verloren.
Für HR-Verantwortliche entsteht daraus eine anspruchsvolle Situation. Der Druck, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, bleibt hoch. Gleichzeitig wächst die Erwartung, den tatsächlichen Nutzen und die Wirtschaftlichkeit von Benefit-Programmen nachzuweisen. Gefragt ist daher nicht nur ein größeres Angebot, sondern ein klarer Nachweis, dass dieses Angebot einen messbaren Unterschied macht.
Warum mehr nicht automatisch besser ist
Diese Entwicklung ist nicht darauf zurückzuführen, dass Unternehmen zu wenig Aufmerksamkeit auf das Thema gelegt hätten. Sie ist vielmehr das Ergebnis des Versuchs, auf immer vielfältigere und komplexere Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen.
Mit steigenden Erwartungen in den Bereichen Gesundheit, Familie und finanzielle Absicherung haben viele Unternehmen ihre Angebote kontinuierlich erweitert. Neue Benefits erscheinen dabei oft als der naheliegendste Weg, bestehende Versorgungslücken zu schließen und Unterstützung sichtbar zu machen.
Doch genau dieser Ansatz kann unbeabsichtigt zusätzliche Komplexität schaffen. Die Benefit-Ökosysteme werden fragmentiert und verteilen sich auf verschiedene Anbieter und Plattformen; jeweils mit eigenen Prozessen, Zugängen und Benutzeroberflächen. Mitarbeiter müssen sich in diesem Geflecht häufig selbst zurechtfinden – oftmals genau in den Momenten, in denen Orientierung, Klarheit und schnelle Hilfe besonders wichtig wären.
Gleichzeitig basieren viele Benefit-Strategien noch immer auf dem Gießkannenprinzip, obwohl sich die Bedürfnisse der Mitarbeiter je nach Lebensphase, familiärer Situation und persönlichen Prioritäten erheblich unterscheiden. Was für den einen Mitarbeiter einen echten Mehrwert darstellt, kann für den anderen völlig irrelevant sein. Fehlt die Möglichkeit zur Individualisierung, wirken selbst gut konzipierte Benefits oft unerreichbar oder wenig relevant.
Hinzu kommt, dass HR häufig nur begrenzte Transparenz darüber hat, welche Angebote tatsächlich genutzt und geschätzt werden. Unternehmen investieren zwar in ein breites Portfolio an Leistungen, doch ohne belastbare Daten zur Nutzung und Akzeptanz lässt sich nur schwer erkennen, welche Angebote tatsächlich Wirkung entfalten und welche lediglich zusätzliche Komplexität schaffen.
Das Ergebnis ist ein bekanntes Paradoxon - mehr Investitionen, aber weniger wahrgenommene Wirkung.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Ein stärker personalisierter und datenbasierter Ansatz im Benefit-Management kann Erkenntnisse sichtbar machen, die auf Portfolioebene häufig verborgen bleiben. In der Praxis zeigt sich dabei oft, dass bestimmte Benefits kaum genutzt werden oder sich sogar überschneiden – nicht weil sie keinen Wert hätten, sondern weil Mitarbeiter nicht wissen, wann und wie sie darauf zugreifen können.
Genau hier werden Vereinfachung und Personalisierung entscheidend. Lösungen wie Wellist, die Mitarbeiter gezielt zu den für sie relevanten Angeboten führen, können die Lücke zwischen verfügbaren und tatsächlich genutzten Leistungen schließen. Sie verbinden Menschen mit den Unterstützungsangeboten, die zu ihrer individuellen Lebenssituation und ihren konkreten Bedürfnissen passen.
Bei Dayforce erleben wir diese Wirkung aus erster Hand. Werden Benefits zum richtigen Zeitpunkt sichtbar und als persönlich relevant wahrgenommen, steigt die Nutzung deutlich an. Im Durchschnitt entdecken und nutzen Mitarbeiter über die Wellist-Plattform elf verschiedene Unterstützungsangebote. Häufig werden dabei Leistungen gefunden, die bereits vorhanden waren, bislang jedoch kaum wahrgenommen wurden.
Die ganzheitliche Familienplattform Cleo liefert hierfür ein anschauliches Beispiel. Über Wellist wurden mehr als 30 unterschiedliche, mit Cleo verknüpfte Unterstützungsangebote gezielt sichtbar gemacht – orientiert an den tatsächlichen Suchanfragen der Mitarbeiter. Dazu gehörten beispielsweise Angebote für BIPOC-Wellbeing, Unterstützung beim Umgang mit COPD oder Hilfen zur Studien- und Ausbildungsplanung. Bereits im ersten Monat nach der Einführung stieg die Nutzung von Cleo um das Zwölffache.
Die Angebote waren bereits vorhanden. Verändert hat sich lediglich die Art und Weise, wie Mitarbeiter sie wahrgenommen und genutzt haben.
Worauf sich HR-Verantwortliche jetzt konzentrieren sollten
Die Lösung des Perkflation-Problems erfordert keinen kompletten Neustart, wohl aber einen Perspektivwechsel. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob genügend Benefits angeboten werden, sondern ob sie tatsächlich genutzt werden und einen spürbaren Unterschied machen.
Beginnen Sie damit, Ihr Benefit-Angebot unter dem Blickwinkel von Nutzung und Wirkung zu bewerten. Identifizieren Sie Bereiche mit geringer Inanspruchnahme sowie Leistungen, die sich überschneiden. Oft erzielt bereits eine Vereinfachung des Zugangs große Wirkung. Wenn Mitarbeiter schneller finden und nutzen können, was sie benötigen, kann dies genauso wertvoll sein wie die Einführung neuer Angebote.
Zudem bietet sich die Chance, stärker auf personalisierte und flexible Modelle zu setzen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter besser gerecht werden. Da die Anforderungen an Transparenz und Nachweisbarkeit weiter steigen, wird es immer wichtiger zu messen, welche Maßnahmen tatsächlich Engagement, Mitarbeiterbindung und Wohlbefinden fördern.
Ein abschließender Gedanke
Perkflation ist kein Zeichen mangelnder Investitionen oder fehlenden Engagements. Vielmehr zeigt sie, wie komplex die heutige Benefit-Landschaft geworden ist – und welches Potenzial noch darin steckt, sie wirksamer zu gestalten.
Die Unternehmen, die künftig herausragen werden, sind jene, die den Schritt von der bloßen Fülle zur gezielten Relevanz schaffen. Ihr Fokus liegt nicht darauf, möglichst viele Leistungen anzubieten, sondern darauf, ihre Mitarbeiter in den entscheidenden Momenten wirksam zu unterstützen.